"Der Traum von Südafrika"

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Bremer Brüder wollen zur WM im Kanu-Marathonrennsport

Alexandra Knief 27.12.2016 – WESER-KURIER

Die Bremer Brüder Marcel und Sven Paufler sind Kanu-Marathonrennsportler. Für die Teilnahme an der nächsten WM suchen sie nun nach finanzieller Unterstützung.

Bremen. Stolz zeigen Marcel und Sven Paufler Fotos, die sie mit dem siebenfachen Weltmeister im Kanu-Marathon, Hank McGregor, zeigen. Die Aufnahme der Bilder liegt zwei Jahre zurück. „Damals haben wir uns von unseren großen Idolen Autogramme geholt“, sagt Sven Paufler, „heute fahren wir Rennen gegen sie.“

Die 19 und 21 Jahre alten Kanuten vom Verein Störtebeker Bremer Paddelsport sind in Bremen, Deutschland und mittlerweile auch international im Kanusport bekannt. Ihre Hauptdisziplinen: Kanu-Marathonrennsport und Kanu-Wildwasserrennsport. Mehrfach haben sie einzeln oder mit ehemaligen Kanu-Partnern in der Vergangenheit ihr Können unter Beweis gestellt: Sie brachten elf beziehungsweise neun Mal Gold von den Deutschen Meisterschaften mit nach Hause, nahmen bei den Junioren und in der U 23 an Europa- und Weltmeisterschaften teil und wurden 2015 Junioren- und U 23-Weltmeister im Kanu-Wildwasserrennsport. Marcel Paufler gelang dies bereits 2013.

Doch obwohl es für den Außenstehenden vielleicht nahe lag – zusammen gefahren sind sie bis 2016 nie. Zum einen, weil sie aufgrund von fast drei Jahren Altersunterschied in verschiedenen Altersklassen unterwegs waren, „außerdem“, fügt Marcel Paufler mit Blick zu seinem jüngeren Bruder hinzu, „hätten wir uns früher wahrscheinlich die Köpfe eingehauen.“

Achter Platz bei der Herren-Weltmeisterschaft 

In diesem Jahr waren erstmals beide in der Herren-Leistungsklasse startberechtigt und versuchten es gemeinsam. Prompt gewannen sie bei der Deutschen Meisterschaft im Kanu-Marathonrennsport, fuhren zur Europameisterschaft, bei der sie im Kajakzweier den siebten Platz belegten. Bei der Weltmeisterschaft wurden sie im direkten Vergleich mit den besten der Welt sogar Achter. „Wir kamen nur knapp 40 Sekunden nach dem Weltmeister ins Ziel“, betont Marcel Paufler. „Da haben wir gemerkt: Da geht noch mehr.“ Und so beschlossen die beiden, dass es nicht das letzte Mal gewesen sein soll, gemeinsam anzutreten. „Einer unserer großen Vorteile ist, dass wir zusammen trainieren können“, sagt Marcel Paufler. „Wir wissen, wie der andere tickt und welche Strategie er verfolgt. Das ist im Zweier ein großer Vorteil.“

Insgesamt stehen für das kommende Jahr rund 30 Wettkämpfe auf dem Plan. Von kleineren Rennen in der Region, bis hin zur – und das ist das große Ziel – Weltmeisterschaft im Kanu-Marathonrennsport in Südafrika. Bis zur WM im September dauert es allerdings noch eine ganze Weile. Wie lange genau zeigt eine stetig rückwärtslaufende Countdown-Uhr auf der neuen Internetseite der Paufler-Brüder (www.paufler-canoe-team.de). Dort zeigen die beiden Kanuten, was sie in ihrem Sport bereits erreicht haben, stellen ihre verschiedenen Disziplinen vor und suchen Unterstützer.

Auf der Suche nach Sponsoren

Da Kanu-Marathon nicht olympisch ist, wird der Sport nur sehr gering gefördert. „In der Vergangenheit war es so, dass uns der Landes-Kanu-Verband und natürlich unser Verein unterstützt haben“, sagt Marcel Paufler. „Aber sobald es über Europa hinausgeht, müssen wir einen Großteil der Kosten selbst tragen.“ Für die Teilnahme an einer Weltmeisterschaft außerhalb Europas kämen da schnell vierstellige Beträge zusammen, betont das Duo. Rund 2200 Euro pro Person haben die beiden allein für ihre Teilnahme an der Weltmeisterschaft in den USA 2014 aus eigener Tasche zahlen müssen. Auf Dauer, da sind die Brüder sich einig, wird das schwierig.

Darum hoffen sie auf finanzielle Unterstützung. „Als Gegenleistung halten wir unsere Unterstützer online immer mit aktuellen Infos auf dem Laufenden und bieten Werbeflächen auf der Internetseite, unseren Booten und Paddeln“, sagt Sven Paufler. Außerdem wollen die beiden Interessenten die Möglichkeit geben, selbst einmal mit ihrer Hilfe ein paar Kanu-Erfahrungen auf dem Wasser zu sammeln.

Gute Chancen für die WM-Qualifikation

Neben finanzieller Hilfe für die WM-Teilnahme könnten potenzielle Unterstützer die beiden Brüder auch einem weiteren Wunsch etwas näher bringen, für den sie selbst gerade sparen. „Mittelfristig wünschen wir uns einen eigenen Zweier“, sagt Sven Paufler. Der Zweier, den sie aktuell fahren, wird vom Verein zur Verfügung gestellt. Ein eigenes Boot würde in den Wettkämpfen allerdings einige Vorteile mit sich bringen. Sie könnten das Boot individuell an die Wettkampfbedingungen anpassen, zum Beispiel Wellenbrecher anbringen, die verhindern, dass zu viel Wasser ins Boot gelangt, eine zweite Pumpe einbauen, falls es doch einmal nass im Zweier wird oder die Tragegriffe individuell platzieren, um auf den Laufstrecken zwischen den Marathonabschnitten, den sogenannten Portagen, noch schneller zu sein. All das ist bei einem geliehenen Zweier natürlich nicht möglich, würde den Sportlern allerdings im Wettkampf noch mehr Sicherheit geben.

An erster Stelle steht allerdings erst einmal die Teilnahme an der WM im September. Sieben bis zwölf Trainingseinheiten pro Woche auf dem Wasser plus Laufeinheiten, Kraft- und Athletiktraining stehen bis dahin auf dem Programm von Sven und Marcel Paufler. Die Chancen, dass sie sich für die WM qualifizieren, stehen – wie die beiden versichern – mehr als gut.

Welche Chancen sie sich in Südafrika ausmalen? „Letztes Mal waren wir achter, das Ziel für 2017 ist, noch besser abzuschneiden“, sagt Sven Paufler. An die Chance, am Ende sogar auf dem Treppchen zu landen, glauben die zwei Bremer allerdings nicht. „Die Jungs bei der WM sind teilweise schon 30 und älter, und im Marathon spielt Erfahrung eine große Rolle“, sagt Sven Paufler. „Das sind Sportler, die das hauptberuflich machen.“ Daran, dass mal jemand in ihrem Alter den Titel geholt hat, können sie sich nicht erinnern. „Aber wer weiß“, sagt Marcel Paufler. „Vielleicht ist es ja doch unser entscheidender Vorteil, dass wir Brüder sind.“