Drei Störtebeker bei Kanu-Marathon-Weltmeisterschaft in Oklahoma City (North Carolina/USA)

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Die amtierenden deutschen Vizemeister im Juniorenzweier und Siebtplatzierte der EM in Piestany Martin Schubert (17) und Sven Paufler (17) haben sich für die Teilnahme an der WM in Oklahoma City qualifiziert. Ebenso wie Marcel Paufler (19), der sich als zweitschnellster U23-Fahrer der diesjährigen Deutschen Meisterschaften in München und Neunter der EM in Piestany/Slowakei ebenso über die Nominierung für die Weltmeisterschaft freuen konnte. Aufgrund der hohen finanziellen Kosten (die Sportler erhielten für die Teilnahme an der WM keinerlei Zuschüsse oder Fördergelder) war ihre Teilnahme lange Zeit ungewiss. Trotzdem, für Deutschland zu starten, dann auch noch in den USA, ist schon etwas ganz Besonderes für jeden jungen Leistungssportler, so sahen das auch die Familien und Freunde der Sportler und ermöglichten den Athleten die heißbegehrte Teilnahme.

Hochmotiviert reisten sie fünf Tage vor Wettkampfbeginn mit der 16köpfigen Nationalmannschaft nebst Trainern und Betreuern von Frankfurt via Dallas an, um genügend Zeit zu haben, sich auf der Strecke einzufahren und mit den Booten vertraut zu machen. Begeistert waren die Sportler von der hochmodernen Regattastrecke im Boathouse District von Oklahoma City, wo sie abends um 21 Uhr noch unter Flutlicht trainieren konnten. Aus Kostengründen teilten sich immer zwei deutsche Mannschaften ein Boot. Diese waren schon im Monat zuvor via Amsterdam verschifft worden. Die Athleten erhielten erste Eindrücke aus den Wettbewerben der Masterrennen (Altersklassen ab 35–ü70 Jahren), die direkt an den zwei Tagen vor der WM stattfanden. Zur Eröffnungsfeier der WM wurden Sven und Martin dann sogar als Fahnenträger vom deutschen Team ausgewählt.

Für ihr Rennen hatten sich die beiden Junioren eine Platzierung unter den Top-Ten vorgenommen. Zunächst verlieft auch alles nach Plan, lange schien sogar ein fünfter Platz im Bereich des Möglichen. Doch dann hatten die beiden mehr als Pech, als sie im Gedränge an der ersten Portage nicht synchron aus dem Boot springen konnten, sich ihre Steuerflosse verhakte und verbog. Zwar versuchten sie beim Einstieg das Steuer provisorisch wieder zurechtzubiegen, was aber nur mäßig gelang. Aufgeben kam für die beiden jedoch nicht in Frage, sie kämpften sich dann mit zusammengebissenen Zähnen tapfer durch weitere vier Portagen bis sie nach 22km als Achtzehnte die Ziellinie überquerten. Natürlich war die Enttäuschung groß, hatten sie sich doch so viel vorgenommen. Doch auch das zweite deutsche Juniorenboot mit dem Ex-Bremer Torben Blume (Potsdam) und Florian Horenburg (Magdeburg) hatte kein Glück: Im Gedränge des Startfeldes fuhren sie mit ihrer Bootsspitze direkt in das Cockpit eines direkt vor ihnen gekenterten Bootes hinein und verloren viel Zeit, bis sie die Verfolgung des Rennens wieder aufnehmen konnten. Letztendlich belegten sie den 16. Platz. Die Goldmedaille gewann das südafrikanische Team, Silber und Bronze gingen an die Ungarn.

Am nächsten Wettkampftag startete Marcel Paufler bei seiner ersten WM für die U23-Herren. Im vergangenen Jahr war er im noch Kajakeiner der Junioren bei der WM in Dänemark auf den 11. Rang gefahren. In der U23 zählte er nun wieder zu den Jüngsten dieser Altersklasse. Aufgrund der Rennverläufe vom Vortag war es seine Taktik, sich nach Möglichkeit aus dem Gedränge und „Keilereien“ herauszuhalten. Erwartungsgemäß gab es viele harte Positionskämpfe und lange Zwischenspurts, bis durch eine Tempoverschärfung vor der ersten Portage das Feld auseinandergerissen wurde. Marcel konnte dem Streckentempo aber gut standhalten und nahm bewusst oft eine schlechtere Außenposition in der Führungsgruppe und auch bei den Portagen in Kauf, um „Bord an Bord-Kämpfe“ zu vermeiden. Dadurch musste sich nach den Portagen dann immer erst wieder an die Gruppe herankämpfen. Letztendlich ging seine Taktik aber mehr als auf und er kam nach 26km und sechs Portagen mit einem herausragenden 7. Platz ins Ziel. Gold gewann als Ausreißer mit einer Minute Vorsprung der Ungar Balazs Havas, dann folgte eine Gruppe von sechs Booten (mit Marcel), in alle innerhalb von 34 Sekunden über die Ziellinie fuhren!

Ergebnisse Junioren + U23

Ergebnisse Leistungsklasse

Nach einer abenteuerlichen Rückreise (aufgrund des Pilotenstreiks fiel der Lufthansaflug nach Frankfurt aus) wurden unsere drei WM-Teilnehmer dann aber in Bremen am Bootshaus mit Applaus von den Vereinskameraden, Familien und Freunden mit einer Feier überrascht und begeistert gefeiert. Selbstverständlich mussten sie zahlreiche neugierige Fragen beantworten und von ihren Erlebnissen berichten.

Unser ganz besonderer Dank gilt an dieser Stelle allen, die mitgeholfen haben, den Sportlern diesen Saisonhöhepunkt zu ermöglichen und so weitere internationale Erfahrungen sammeln zu können.