“Gut gepaddelt, gut gelaufen” – Pressebericht / Titelseite

eingetragen in: Aktuelles, Kanu-Marathon, Presse

Marcel (links) und Sven Paufler haben die deutschen Farben bei der Weltmeisterschaft im Kanu-Marathon glänzend vertreten. Das Bruderpaar vom Störtebeker Bremer Paddelsportverein kam in der chinesischen Millionenstadt Shaoxing unter 22 Booten auf den achten Rang. Eine bessere Platzierung büßte das Duo in der achten und letzten Runde ein, als es bei einer engen Brückendurchfahrt von der Konkurrenz an die Wand gedrückt wurde und dadurch viel Zeit verlor. Für die insgesamt 29,7 Kilometer lange Strecke mit ihren sieben 200 Meter langen Portagen – das Foto zeigt die Pauflers während einer dieser Laufstrecken – benötigten die beiden Bremer 2:00:53,40 Stunden und damit gut zwei Minuten mehr als die Sieger aus Frankreich. Text: JGR/Foto: Martina Paufler

“Unliebsam ausgebremst” – Presseartikel

Von Jörg Niemeyer – 21. Oktober 2019 – WESER-KURIER (Sport)

Shaoxing. Von Atemproblemen und Hustenreiz war sieben Stunden nach dem Rennen zumindest am Telefon nichts mehr zu spüren. Zufrieden mit sich und ihrer Leistung, aber ziemlich platt nach dem 29,7 Kilometer langen WM-Kanu-Marathon: So beschrieben Marcel und Sven Paufler ihr Befinden eine Stunde vor Mitternacht im chinesischen Shaoxing. Während in der Heimat ihre Klubkameraden vom Störtebeker Bremer Paddelsportverein gegen 17 Uhr wohl gerade mit ihrem Nachmittagskaffee fertig gewesen sein dürften, zog das Brüderpaar um 23 Uhr Ortszeit einen Schlussstrich unter eine aus ihrer Sicht erfolgreich verlaufene Weltmeisterschaft.

Gaben bei der WM bis zuletzt alles: die Achtplatzierten über 29,7 Kilometer, Sven (im rechten Boot, vorne) und Marcel Paufler. (Foto: Martina Paufler)

 

Im insgesamt 25. und letzten Wettbewerb der Titelkämpfe, dem Kajakzweier der Herren, hatten die Bremer als einziger Vertreter ihres Landes die deutschen Farben hervorragend vertreten. „Wir hatten uns einen Platz unter den Top 10 vorgenommen – da sind wir mit dem achten Rang definitiv sehr zufrieden“, sagte der 24-jährige Marcel. „Seit der Europameisterschaft im Juli haben wir uns kontinuierlich steigern können“, ergänzte der 21-jährige Sven, „wir haben heute vorne lange gut mitmischen können.“

Bis in die vorletzte der acht Runden hinein lagen die Bremer in einer Verfolgergruppe nur etwa 20 Sekunden hinter dem Spitzenquartett zurück. Vor allem in den sieben Portagen – also in den Abschnitten, in denen die Aktiven ihr Boot etwa 200 Meter weit laufend über einen Steg tragen – verkürzten die Pauflers immer wieder den Rückstand. In der Schlussrunde allerdings halfen ihnen die leichtathletischen Fähigkeiten auch nicht mehr, da sie während einer Brückendurchfahrt an der Wand eingeklemmt wurden. Zu viele Konkurrenten hatten den gleichen Brückenbogen wie die Bremer gewählt. „Alle sind durch die rechte Röhre gefahren“, sagte Marcel Paufler. Bis sein Bruder und er wieder Fahrt aufgenommen hatten, war die Spitze noch weiter enteilt.

Die Chance auf eine Medaille, da waren sich die Brüder einig und sportlich fair, hätten sie aber nie gehabt. Die französischen Sieger, die Europameister Quentin Urban und Jeremy Candy, drückten der WM mit der Zeit von 1:58:45,25 Stunden ihren Stempel auf, konterten alle Attacken der zweitplatzierten Ungarn (1:58:49,19) und der drittplatzierten Argentinier (1:58:55,97) und zogen immer dann vorne das Tempo an, wenn die Verfolger aufzuholen drohten. So kamen Marcel und Sven Paufler schließlich nach 2:00:53,80 Stunden als Achte ins Ziel.

Während der ersten Stunde nach dem Zieleinlauf klagten etliche Sportler über Atemprobleme. „Die Wetterbedingungen waren mit 24 Grad, wenig Wind und viel Sonne nahezu optimal“, sagte Marcel Paufler, „aber die schlechte Luftqualität machte sich bemerkbar.“ Schon kurz nach ihrer Ankunft in Shaoxing hatten die Bremer nach einem Regenguss schwarze Ränder an den Booten bemerkt – ohne Regen waren die Schmutzpartikel am Sonntag offensichtlich Bestandteil der Luft. „Aber in dem Moment, in dem du über die Ziellinie fährst und alles gegeben hast, weißt du, dass sich aller Aufwand gelohnt hat“, sagte Sven Paufler. Nach einer guten Woche in Shaoxing hatten die Pauflers also nichts zu meckern – weder aus sportlichen noch aus anderen Gründen. Unterbringung und Essen waren okay, und da die meisten Aktiven aus den etwa 40 Teilnehmerländern im selben Hotel untergebracht waren, pflegten die Bremer alte und knüpften viele neue Kontakte.

Wie es jetzt weitergeht, stand zumindest für die nächsten Tage fest: Nach kurzer Nacht brachen Marcel und Sven mit ihrer Mutter Martina in Richtung Singapur auf – für drei Tage steht jetzt Urlaub statt Hochleistungssport auf dem Programm. Am Freitag wird das Trio zurück in Bremen sein. Wie es langfristig weitergeht, ist schwieriger einzuschätzen. Die Brüder sind weiter voll motiviert, konzentrieren sich aber im Gegensatz zu ihren Topkonkurrenten, die mehr Förderung erhalten und mehr Zeit zum Training haben, auf ihr berufliches Vorankommen. Marcel hat seit August eine feste Stelle im Aus- und Fortbildungszentrum für den bremischen öffentlichen Dienst, Sven studiert Rechtswissenschaften. Da jedoch etliche WM-Gegner deutlich älter sind als die Bremer, könnte deren erfolgreichste Zeit noch vor ihnen liegen. „Mal sehen, was wird“, sagte Marcel Paufler.