"Sportler des Jahres 2015"

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Ein Abend der Emotionen

Jörg Niemeyer – Weser Kurier

Es wurde gelacht, geklatscht und gestaunt. Für knappe zwei Stunden standen in Bremen endlich mal keine Sorgen im Mittelpunkt, sondern junge und junggebliebene Sportlerinnen und Sportler. „Wir sind froh, dass wir in so einer tollen Stadt leben und so viel Unterstützung bekommen“, sagte Roberto Albanese. Und diese Unterstützung, so schien es, war in diesem Augenblick im Saal mit den Händen zu greifen.

Dass der Trainer des Grün-Gold-Club Bremen die Lobeshymne auf seine Heimatstadt singen würde, stand nicht im Drehbuch des Abends. Denn bis zum letzten Programmpunkt dieser Gala wusste niemand im Saal, ob die Lateinformation von Roberto Albanese Mannschaft des Jahres werden sollte – oder die Hockey-Mädchen des Bremer HC oder die Fußball-Bundesliga-Frauen des SV Werder.

Alle drei Teams hatten ihre Fans im Saal, wie nach den auf der großen Leinwand eingespielten drei Filmen zur Vorstellung der Kandidaten unschwer zu hören war. Dann kamen die Werder-Profis Maximilian Eggestein und Florian Grillitsch auf die Bühne – mit dem Umschlag, in dem der Name des Siegers stand: Grün-Gold-Club Bremen. Und dann dauerte es eine ganze Weile, bis auch das letzte Formationsmitglied ins Scheinwerferlicht gelangt war, um die Trophäe und ganz viel Applaus entgegen zu nehmen. Ehrlicher Applaus, den zuvor auch alle anderen Kandidaten der verschiedenen Kategorien erhalten hatten.

Mit großer Freude hatten die Moderatoren Yvonne Ransbach und Marc Hagedorn verkündet, dass alle Sportler der drei Hauptkategorien anwesend waren. Keine Videobotschaften wie so oft, sondern lebendige Gespräche – mit witzigen Wendungen. Hätte es einen Preis für das Zitat gegeben, das das Publikum am heftigsten zum Lachen bringt – Martin Schubert hätte ihn erhalten. Ob er schon wisse, was er mit den 1000 Euro machen wolle, die er, zusammen mit Sven Paufler, soeben als Gewinner des Nachwuchsförderpreises für Mannschaften erhalten hatte? „Das Geld geht an unseren Verein, der uns so gut unterstützt“, sagte er, zählte dann diverse gute Taten des Störtebeker Bremer Paddelsportvereins auf – und schlug als Letztes vor, dass der Klub das Geld zum Abbau von Defiziten nutzen könne. Das Publikum war begeistert. Herrlich, mit welcher Frische sich die beiden jungen Kanusportler auf der Bühne präsentierten, auf der sie keineswegs zu Hause sind. Gleiches galt für Yara Sophie Hierath, Bremens derzeit beste Schwimmerin von der SGS Bremerhaven. Sie erhielt den Nachwuchsförderpreis für Einzelsportler. Was zum Zeitpunkt der Nominierung vor einigen Wochen noch keiner wusste: Die 14- Jährige wird in den Perspektivkader für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio aufgenommen. „Ich bin mir sicher, dass wir Yara hier noch öfter sehen werden“, sagte Laudator Oliver Rau.

Hier also die Nachwuchssportler, dort ein Olympiasieger, der einst auch ganz klein angefangen hatte: Judoka Ole Bischof war Ehrengast der Gala – und verkörperte den Sinn der Benefizveranstaltung perfekt. Denn neben der Ehrung der Besten ging es am Dienstag vor allem um die Förderung der Sportler und die Förderung des Sports ganz allgemein. „Leistungssport bedeutet, dass man sich anstrengt und durchbeißt“, sagte Bischof – und stand da auf der Bremer Sportbühne als Vorbild und lebender Beweis für das, was ein Sportler erreichen kann. Der 36-Jährige war kurz darauf auch am rührendsten Moment des Abends beteiligt, als er der zweifachen Olympiasiegern Jana Sorgers-Rau Nachbildungen ihrer Goldmedaillen um den Hals hängte, die der Ruderin im Original vor anderthalb Jahren gestohlen worden waren. Unter Tränen und mit stockender Stimme bedankte sich die Beschenkte.

Kaum weniger emotional war der Augenblick, als die Triathletin Lena Ischebeck als Sportlerin des Jahres geehrt wurde. „Sportlich wird in diesem Jahr nichts mehr passieren“, sagte die 24-Jährige, „weil ich in diesem Jahr einen Mitbewohner habe.“ Ihr runder Bauch kündete davon, dass sich ein neuer Erdenbürger wohl nicht mehr allzu viel Zeit lassen wird. Zumindest für 2015 mussten die Sportgymnastin Julia Stavickaja und die Ruderin Paulina Düchting auf einen Titel noch verzichten – ebenso wie bei den Männern der Darter Jyhan Artut und der Boxer Artur Ohanyan. Sportler des Jahres wurde nämlich der Stabhochspringer Philip Kass vom SV Werder, der seinem Verein versprach, nach der Aufstockung der Trainingshalle auch in Bremen bleiben zu wollen. „Da sind jetzt 40 bis 50 Zentimeter mehr an Höhe – das reicht erst mal“, sagte der 17-Jährige, dessen Bestleistung seit dem Vorjahr bei 5,10 Meter steht.

Tanzeinlagen der deutschen Meister Daniel Dingis und Natalia Velikina sowie zwei Nummern des GOP-Theaters veredelten den rundum gelungenen Abend.