“Gerangel um die besten Plätze auf dem Wasser”

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Marcel Paufler und Hjördis Sommer bezahlen Qualifikation für die EM und WM im Kanumarathon mit reichlich Lehrgeld

von Jörg Niemeyer - WESER KURIER - Sport

Bremen. Hinter Marcel Paufler liegt eine erfolgreiche Woche - auch wenn sie für ihn keinen Sieg gebracht hat. Zwei Tage nach seinem Weltcup-Start in Prag, den der Kanumarathoni des Vereins Störtebeker Bremer Paddelsport mit der EM- und WM-Qualifikation wie erhofft über die Bühne gebracht hatte, war er am Dienstag zum zweiten Mal in seiner Karriere einer von drei Kandidaten für die Wahl zu Bremens Sportler des Jahres. Obwohl es wieder nicht zum Triumph reichte, war der 27-Jährige "glücklich über die Einladung und den tollen Abend im GOP-Theater". Nach der Bekanntgabe des Siegers Jan Urbas sei er im ersten Moment zwar etwas enttäuscht gewesen. "Doch vor allen Leistungen der Nominierten muss man den Hut ziehen", sagte Marcel Paufler, "wer gewonnen hat, hat auch verdient gewonnen."

Gerangel nach der Portage: Marcel Paufler (vorne) wird vom Konkurrenten beeinträchtigt, der sein Boot beim Einstieg einfach auf das Boot des Bremers ablegt. FOTO: MARTINA PAUFLER

Gleiches galt letztlich auch für das Weltcup-Wochenende in der tschechischen Hauptstadt, wo die beiden Bremer Teilnehmer, Marcel Paufler bei den Männern und seine Vereinskameradin Hjördis Sommer bei den Juniorinnen, einen turbulenteren Wettkampf als üblich erlebten. Das Besondere waren zum einen die Rennen auf der Moldau, also auf einem Fließgewässer, zum anderen die vergleichsweise ungewöhnlich kurzen Stege und Laufstrecken bei den Portagen. Kanumarathon besteht nicht nur aus dem Paddeln, sondern auch aus mehreren Portagen, bei denen die Aktiven anlegen, ihr Boot aus dem Wasser heben, mit ihm eine Strecke laufen und es dann wieder ins Wasser einsetzen, um die nächste Runde zu paddeln. "Für die Zuschauer war es großartig, für die Sportler stressig", sagte Paufler. Denn die Bedingungen in Prag sahen so aus, dass es an den Stegen und auf den Laufstrecken zu Staus unter den Aktiven und beim Ein- und Aussteigen zu ungewollten Kontakten zwischen Mensch und Material kam, die zahlreiche Kenterungen und mehrfach Zoff unter den Teilnehmern verursachten.

Auch Marcel Paufler hatte es im Finale des Kurzstreckenrennens über 3,4 Kilometer und zwei Portagen erwischt: Nach einer Kenterung konnte er die Lücke zur Konkurrenz nicht mehr schließen, sodass er als 24. und Letzter ins Ziel einfuhr. Hjördis Sommer kam ebenfalls nicht ungeschoren davon: Sie wurde von einer Konkurrentin ans Ufer abgedrängt, wo die Steueranlage ihres Bootes durch einen Stein beschädigt wurde. Völlig erschöpft wurde sie am Ende immerhin noch Siebte.

Die unliebsamen Erfahrungen auf der Kurzstrecke hatten aber auch ihr Gutes. "So waren wir für die Langstrecke bestens vorbereitet", sagte Marcel Paufler. Er und Hjördis Sommer wollten beim Weltcup mindestens als zweitbeste Deutsche ankommen, um sich einen von jeweils nur zwei deutschen Startplätzen für die Europameisterschaft in Dänemark (28.-31. Juli) und die Weltmeisterschaft in Portugal (ab 29. September) zu sichern. Beide schafften es auch.

Hjördis Sommer beendete ihr Rennen über fünf Runden (insgesamt 19 Kilometer) und vier Portagen nach 1:37:51,5 Stunden sogar als Drittplatzierte hinter der siegreichen Schwedin Ella Richer (1:37:29,2) und ihrer deutschen Dauerrivalin Caroline Fink (1:37:39,1). Marcel Paufler dagegen musste über acht Runden (29,8 km) und sieben Portagen stark um seine Qualifikation bangen, denn zwischenzeitlich hatte ihn Claas Gebhardt überholt und etwa 500 Meter Abstand zum Bremer aufgebaut. "Das war mental gar nicht so einfach für mich", sagte Paufler. Nach der letzten Portage startete er aber zur erfolgreichen Aufholjagd, wurde nach 2:15:18,1 Stunden mit nur gut drei Sekunden Vorsprung 13. vor Gebhardt (2:15:21,4). Bester Deutscher war Pauflers Cousin Nico als Neunter (2:13:33,3), sodass einmal mehr die beiden internationalen Plätze des deutschen Nationalteams an die Familie Paufler fielen.

Mit EM und WM werden Marcel Paufler und Hjördis Sommer nun zwei weitere wichtige Wettkämpfe bestreiten, die für zusätzlichen Motivation sorgen. Im schwedischen Trainingslager des Vereins Störebeker Bremer Paddelsport will sich das Duo im Juli den Feinschliff für die EM holen.